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Glossar / Verdeckte Gewinnausschüttung

GLOSSAR · GMBH, HOLDING & MITTELSTAND

Verdeckte Gewinnausschüttung

Rechtsstand: Oktober 2026
von Steuerberater Sidney Nik, LL.M.

Eine verdeckte Gewinnausschüttung (vGA) liegt vor, wenn eine GmbH ihrem Gesellschafter einen Vorteil gewährt, den sie einem Fremden nicht gewährt hätte. Der Vorteil mindert ihren steuerlichen Gewinn nicht.

Was ist eine verdeckte Gewinnausschüttung?

Eine verdeckte Gewinnausschüttung, kurz vGA, ist ein Vorteil, den eine Kapitalgesellschaft ihrem Gesellschafter oder einer ihm nahestehenden Person zuwendet, ohne dass ein ordentlicher Gewinnverteilungsbeschluss vorliegt. Der Vorteil beruht auf dem Gesellschaftsverhältnis. Bei der GmbH spricht man auch von der vGA GmbH. Nach § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG mindern verdeckte Gewinnausschüttungen das Einkommen der Gesellschaft nicht.

Maßstab ist der Fremdvergleich. Die Rechtsprechung fragt, ob ein ordentlicher und gewissenhafter Geschäftsleiter die Leistung auch einem fremden Dritten so gewährt hätte. Bei beherrschenden Gesellschaftern verlangt sie zusätzlich eine klare, im Voraus getroffene und tatsächlich durchgeführte Vereinbarung.

Typische Fälle

Häufig sind überhöhte Geschäftsführervergütungen an den Gesellschafter-Geschäftsführer, private Nutzung eines Firmenwagens ohne klare Vereinbarung, zinslose oder nicht besicherte Darlehen an Gesellschafter, unangemessene Pensionszusagen und Leistungen an Angehörige, die nicht marktüblich bezahlt werden.

Abzugrenzen ist die offene Gewinnausschüttung. Sie beruht auf einem Gesellschafterbeschluss und wird aus dem versteuerten Gewinn gezahlt. Das Gegenstück ist die verdeckte Einlage: Der Gesellschafter wendet der GmbH außerhalb einer Kapitalerhöhung einen Vorteil zu. Sie erhöht das Einkommen der GmbH nicht (§ 8 Abs. 3 Satz 3 KStG).

Rechtsfolgen für GmbH und Gesellschafter

Die GmbH rechnet den Betrag dem Gewinn außerhalb der Bilanz wieder hinzu. Er unterliegt dann der Körperschaftsteuer, die bis 2027 15 Prozent beträgt und danach schrittweise auf 10 Prozent ab 2032 sinkt (§ 23 KStG), dem Solidaritätszuschlag und der Gewerbesteuer.

Beim Gesellschafter kann der Vorteil zu Einkünften aus Kapitalvermögen führen (§ 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG). Nach § 32a KStG kann das Finanzamt seinen Steuerbescheid ändern, wenn der Bescheid der GmbH wegen einer vGA geändert wird. Entdeckt werden vGA meist in der Betriebsprüfung.

Fiktives Beispiel: Die Muster-GmbH zahlt ihrem Gesellschafter-Geschäftsführer ein Jahresgehalt von EUR 240.000,00. Ein Fremdvergleich ergibt, dass für vergleichbare Tätigkeiten EUR 150.000,00 üblich sind. Die Differenz von EUR 90.000,00 behandelt die Betriebsprüfung als vGA und rechnet sie dem Gewinn hinzu. Vereinfacht ergibt das bei einem Hebesatz von 400 Prozent Körperschaftsteuer von EUR 13.500,00, Solidaritätszuschlag von EUR 742,50 und Gewerbesteuer von EUR 12.600,00, zusammen EUR 26.842,50 Mehrsteuer für ein Jahr. Beim Gesellschafter kann die Behandlung der Differenz zusätzlich geändert werden.

Typische Fehler und Risiken

  • Fehlende oder nachträgliche Vereinbarungen: Gehalt, Tantieme oder Firmenwagen wurden nicht vorab schriftlich geregelt oder nicht so durchgeführt wie vereinbart. Das Finanzamt erkennt dann den Betriebsausgabenabzug oft nicht an.
  • Pauschale Gehaltsfestlegung ohne Vergleich: Wer die Höhe der Vergütung nicht anhand von Branche, Größe und Aufgaben dokumentiert, kann die Angemessenheit im Streitfall kaum belegen.
  • Darlehen an Gesellschafter ohne Zinsen, Sicherheiten und Rückzahlungsplan werden wie Zuwendungen behandelt.
  • Private Kosten in der GmbH: Reisen, Bewirtung oder Anschaffungen mit privatem Bezug führen bei Prüfungen regelmäßig zu Hinzurechnungen.
  • Folgewirkungen werden übersehen: Eine vGA wirkt auf Gesellschafterebene und kann dort geänderte Bescheide auslösen.

Häufige Fragen

Was ist eine verdeckte Gewinnausschüttung einfach erklärt? ▼
Die GmbH gibt ihrem Gesellschafter oder einer ihm nahestehenden Person einen Vorteil, der nicht im Gesellschafterbeschluss steht und den ein Fremder nicht bekommen hätte, etwa ein überhöhtes Gehalt. Steuerlich gilt der Vorteil wie ein ausgeschütteter Gewinn. Die GmbH kann ihn daher nicht als Betriebsausgabe abziehen und er wird ihrem Gewinn wieder hinzugerechnet.
Welche Folgen hat eine vGA für die GmbH? ▼
Der Betrag wird dem Gewinn hinzugerechnet und unterliegt Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer. Zusätzlich können Nachzahlungszinsen anfallen. Beim Gesellschafter können Einkünfte aus Kapitalvermögen entstehen und sein Steuerbescheid kann nachträglich geändert werden, auch für zurückliegende Jahre.
Wie lässt sich eine vGA vermeiden? ▼
Regle Vergütungen, Darlehen und Nutzungsüberlassungen vorab schriftlich, setze sie so um, wie vereinbart und dokumentiere die Marktüblichkeit, etwa mit Vergleichsangaben zu Branche und Unternehmensgröße. Klare Verträge, die dem Fremdvergleich standhalten, sind der wichtigste Schutz vor einer Hinzurechnung bei der Betriebsprüfung.

Wann eine Beratung sinnvoll ist

Eine Beratung ist sinnvoll, bevor Vergütungen, Darlehen oder Nutzungsüberlassungen zwischen GmbH und Gesellschafter vereinbart werden und spätestens, wenn eine Betriebsprüfung Zweifel an der Angemessenheit äußert.

Auch gesucht als: vGA, vGA GmbH · Rechtsstand: Oktober 2026, letzte Aktualisierung: 08.10.2026. Allgemeine Information, ersetzt keine Beratung im Einzelfall.

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Spezialisierung: Mittelstand
Sidney Nik, LL.M., Steuerberater
Über den Autor
Sidney Nik, LL.M.
Steuerberater, Inhaber ANDERSMACHER

Sidney Nik ist Steuerberater mit eigener Kanzlei in Offenbach am Main und Mitglied der Steuerberaterkammer Hessen. Seine Schwerpunkte sind Apotheken, E-Commerce, Mittelstand, Berater für Berater und Problemfälle. Mit docunest entwickelt er Kanzleisoftware. Jeder Beitrag wird vor Veröffentlichung von ihm fachlich geprüft und freigegeben.

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