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Gründen in Deutschland: Die 16 Bundesländer im Steuervergleich

Veröffentlicht am 04. Oktober 2026
von Steuerberater Sidney Nik, LL.M.

Welches Bundesland passt zu Deinem Unternehmen? Wir haben Gewerbesteuer-Hebesätze, Grunderwerbsteuer, Gründungsquote und Förderbanken aller Länder nebeneinandergelegt, mit Quellen und mit Blick darauf, was Du daraus machst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gewerbesteuer: Der Median-Hebesatz der Gemeinden reicht von 323 Prozent in Brandenburg bis 470 Prozent in Hamburg. Bei EUR 100.000,00 Gewerbeertrag sind das vereinfacht EUR 11.305,00 bis EUR 16.450,00.
  • Gesamtbelastung einer GmbH: Mit Körperschaftsteuer und Solidaritätszuschlag (15,825 Prozent) ergibt sich je nach Land eine Spanne von rund 27,1 bis 32,3 Prozent auf einbehaltene Gewinne.
  • Grunderwerbsteuer: von 3,5 Prozent in Bayern bis 6,5 Prozent in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und Schleswig-Holstein.
  • Gründungsquote: Berlin liegt mit 13,2 Prozent vorn, das Saarland mit 3,7 Prozent hinten (Global Entrepreneurship Monitor 2024/25).

Das Fazit vorweg: Der Standort ist ein Rechenthema, aber kein Zaubertrick. Ein niedriger Hebesatz bringt nur etwas, wenn Du am Ort wirklich unternehmerisch tätig bist und die Rechtsform entscheidet darüber, wie stark er bei Dir durchschlägt.

Gewerbesteuer: Hebesatz-Median je Bundesland

Jede Gemeinde legt ihren Hebesatz selbst fest. Die Tabelle zeigt den Median aller Gemeinden eines Landes für das Berichtsjahr 2024. Er glättet Ausreißer, ersetzt aber nicht den Blick auf die einzelne Stadt: In Großstädten liegen die Werte meist deutlich über dem Landesmedian. Stadtstaaten bestehen aus einer oder zwei Gemeinden, ihr Wert ist ein Einzelwert.

Median-Hebesatz, Grunderwerbsteuer und Gründungsquote nach Bundesland
BundeslandMedian-Hebesatz 2024Gewerbesteuer bei EUR 100.000,00 ErtragGrunderwerbsteuerGründungsquote (GEM)
Baden-Württemberg360 %EUR 12.600,005,0 %keine Länderzahl
Bayern350 %EUR 12.250,003,5 %8,5 %
Berlin410 %EUR 14.350,006,0 %13,2 %
Brandenburg323 %EUR 11.305,006,5 %keine Länderzahl
Bremen460 %EUR 16.100,005,5 %12,1 %
Hamburg470 %EUR 16.450,005,5 %11,2 %
Hessen390 %EUR 13.650,006,0 %9,7 %
Mecklenburg-Vorpommern380 %EUR 13.300,006,0 %keine Länderzahl
Niedersachsen390 %EUR 13.650,005,0 %keine Länderzahl
Nordrhein-Westfalen450 %EUR 15.750,006,5 %keine Länderzahl
Rheinland-Pfalz380 %EUR 13.300,005,0 %keine Länderzahl
Saarland430 %EUR 15.050,006,5 %3,7 %
Sachsen400 %EUR 14.000,005,5 %keine Länderzahl
Sachsen-Anhalt360 %EUR 12.600,005,0 %keine Länderzahl
Schleswig-Holstein360 %EUR 12.600,006,5 %8,5 %
Thüringen395 %EUR 13.825,005,0 %keine Länderzahl

Wie das in einzelnen Städten aussieht, zeigen unsere Standortseiten, zum Beispiel Steuerberater Eschborn (330 Prozent), Steuerberater Mainz (310 Prozent) und Steuerberater Bonn (537 Prozent).

Quellen: Hebesatz-Median: Auswertung des Realsteuervergleichs 2024 der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder durch rechner-hub.de; Gründungsquote: Global Entrepreneurship Monitor 2024/25, Länder-Sonderauswertung, wiedergegeben von verbandsbuero.de. Gewerbesteuer: eigene Berechnung (Messzahl 3,5 Prozent mal Hebesatz), vereinfacht. Stand: 03.10.2026, ohne Gewähr.

Warum der Hebesatz nicht allein entscheidet

Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften wird die Gewerbesteuer nach § 35 EStG pauschal auf die Einkommensteuer angerechnet und zwar mit dem Vierfachen des Messbetrags. Bis zu einem Hebesatz von rund 400 Prozent gleicht das die Belastung weitgehend aus. Erst darüber bleibt eine echte Mehrbelastung. Eine GmbH hat diese Anrechnung nicht, bei ihr zählt jeder Punkt voll.

Rechenbeispiel für eine GmbH mit EUR 100.000,00 Gewinn: Körperschaftsteuer und Solidaritätszuschlag betragen 15,825 Prozent. In Brandenburg kommen mit einem Median-Hebesatz von 323 Prozent 11,3 Prozent Gewerbesteuer hinzu, zusammen rund 27,1 Prozent. In Hamburg sind es bei 470 Prozent 16,5 Prozent, zusammen rund 32,3 Prozent. Ab 2028 sinkt die Körperschaftsteuer in Schritten von einem Punkt bis auf 10 Prozent im Jahr 2032 (Bundesfinanzministerium), der Hebesatz bleibt dann der größere Standortfaktor.

Wichtig: Die Gewerbesteuer entsteht dort, wo Du eine Betriebsstätte unterhältst (§ 4 GewStG, § 12 AO), bei einer GmbH auch dort, wo die Geschäftsleitung tatsächlich sitzt. Ein Briefkasten genügt nicht. Wie wir einen Standortwechsel ehrlich durchrechnen, steht auf den Seiten Eschborn und Neu-Isenburg.

Grunderwerbsteuer: von 3,5 bis 6,5 Prozent

Sie fällt beim Kauf von Grundstücken an, auch bei Betriebsgrundstücken und Immobilien in Holdingstrukturen. Maßgeblich ist das Land, in dem die Immobilie liegt, nicht Dein Firmensitz. Die Tabelle zeigt die Sätze, sortiert vom niedrigsten zum höchsten, mit den Steuerbeträgen bei EUR 500.000,00 und EUR 1.000.000,00 Kaufpreis.

Grunderwerbsteuer nach Bundesland (Stand 2026)
BundeslandSteuersatzBei EUR 500.000,00Bei EUR 1.000.000,00
Bayern3,5 %EUR 17.500,00EUR 35.000,00
Baden-Württemberg5,0 %EUR 25.000,00EUR 50.000,00
Niedersachsen5,0 %EUR 25.000,00EUR 50.000,00
Rheinland-Pfalz5,0 %EUR 25.000,00EUR 50.000,00
Sachsen-Anhalt5,0 %EUR 25.000,00EUR 50.000,00
Thüringen5,0 %EUR 25.000,00EUR 50.000,00
Bremen5,5 %EUR 27.500,00EUR 55.000,00
Hamburg5,5 %EUR 27.500,00EUR 55.000,00
Sachsen5,5 %EUR 27.500,00EUR 55.000,00
Berlin6,0 %EUR 30.000,00EUR 60.000,00
Hessen6,0 %EUR 30.000,00EUR 60.000,00
Mecklenburg-Vorpommern6,0 %EUR 30.000,00EUR 60.000,00
Brandenburg6,5 %EUR 32.500,00EUR 65.000,00
Nordrhein-Westfalen6,5 %EUR 32.500,00EUR 65.000,00
Saarland6,5 %EUR 32.500,00EUR 65.000,00
Schleswig-Holstein6,5 %EUR 32.500,00EUR 65.000,00

Hinweis: Bremen hat den Satz im Juli 2025 auf 5,5 Prozent angehoben, einzelne Übersichten nennen noch 5,0 Prozent. Mecklenburg-Vorpommern führen die meisten Quellen mit 6,0 Prozent. Prüfe vor einem Kauf den Satz beim Finanzamt.

Quelle: Übersicht der Länder-Steuersätze, Stand 2026 (u. a. Bundesfinanzministerium), eigene Berechnung der Steuerbeträge.

Gründungsdynamik: Wo am meisten gegründet wird

In Berlin und Hamburg wurden 2025 mit mehr als 100 Existenzgründungen je 10.000 Menschen im erwerbsfähigen Alter die meisten Unternehmen gegründet. Dahinter folgten Hessen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein (IfM Bonn). Der Global Entrepreneurship Monitor nennt für Berlin 13,2 Prozent Gründungsquote, für Bremen 12,1 Prozent und für Hamburg 11,2 Prozent. Unter den Flächenländern liegt Hessen mit 9,7 Prozent vorn, vor Bayern und Schleswig-Holstein mit je 8,5 Prozent. Ostdeutsche Länder kommen im Schnitt auf 5,6 Prozent, Westdeutschland auf 7,8 Prozent.

Ein Beispiel auf Landesebene: In Hessen standen 2024 rund 60.758 Gewerbeanmeldungen 55.986 Abmeldungen gegenüber, das Land wuchs also um knapp 4.800 Unternehmen. Berlin gilt als Gründerhauptstadt, was sich auch in steuerlichen Fragen niederschlägt, etwa bei Mitarbeiterbeteiligungen und Umsatzsteuer auf digitale Leistungen. Mehr dazu unter Steuerberater Berlin.

Quellen: IfM Bonn, Existenzgründungen insgesamt 2025; Global Entrepreneurship Monitor 2024/25 (Länder-Sonderauswertung, wiedergegeben von verbandsbuero.de); Hessischer Industrie- und Handelskammertag, Gründungsbarometer Hessen 2025. Die Länderzahlen sind nicht für alle Länder veröffentlicht.

Förderbanken und Finanzgerichte der Länder

Für Gründungsfinanzierung ist in jedem Land eine Förderbank der erste Ansprechpartner, ergänzt um die bundesweit tätige KfW. Wenn es mit dem Finanzamt zu Streit kommt, entscheidet das jeweils zuständige Finanzgericht.

Förderbank und Finanzgericht nach Bundesland
BundeslandLandesförderbankFinanzgericht
Baden-WürttembergL-Bank (Staatsbank für Baden-Württemberg)Finanzgericht Baden-Württemberg (Stuttgart, Außensenate Freiburg)
BayernLfA Förderbank BayernFinanzgerichte München und Nürnberg
BerlinInvestitionsbank Berlin (IBB)Finanzgericht Berlin-Brandenburg (Cottbus)
BrandenburgInvestitionsbank des Landes Brandenburg (ILB)Finanzgericht Berlin-Brandenburg (Cottbus)
BremenBremer Aufbau-Bank (BAB)Finanzgericht Bremen
HamburgIFB Hamburg (Hamburgische Investitions- und Förderbank)Finanzgericht Hamburg
HessenWIBank (Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen)Hessisches Finanzgericht (Kassel)
Mecklenburg-VorpommernLandesförderinstitut Mecklenburg-Vorpommern (LFI)Finanzgericht Mecklenburg-Vorpommern (Greifswald)
NiedersachsenNBank (Investitions- und Förderbank Niedersachsen)Niedersächsisches Finanzgericht (Hannover)
Nordrhein-WestfalenNRW.BANKFinanzgerichte Düsseldorf, Köln und Münster
Rheinland-PfalzInvestitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB)Finanzgericht Rheinland-Pfalz (Neustadt an der Weinstraße)
SaarlandSaarländische Investitionskreditbank (SIKB)Saarländisches Finanzgericht (Saarlouis)
SachsenSächsische Aufbaubank (SAB)Sächsisches Finanzgericht (Leipzig)
Sachsen-AnhaltInvestitionsbank Sachsen-AnhaltFinanzgericht Sachsen-Anhalt (Dessau-Roßlau)
Schleswig-HolsteinInvestitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH)Schleswig-Holsteinisches Finanzgericht (Kiel)
ThüringenThüringer Aufbaubank (TAB)Thüringer Finanzgericht (Gera)

Quellen: Websites der Förderbanken (verlinkt), Gerichtsverzeichnisse der Länder. Stand: 03.10.2026, ohne Gewähr.

Was die Zahlen für Deine Gründung bedeuten

  • Erst die Rechtsform, dann der Standort: Bei einer GmbH wirkt der Hebesatz voll, bei Personenunternehmen bis etwa 400 Prozent kaum. Wer als Einzelunternehmer startet, sollte nicht wegen des Hebesatzes umziehen. Mehr unter Steuergestaltung und Rechtsformwahl.
  • Standort heißt: wirklich dort arbeiten: Ein Sitz allein, ohne Geschäftsleitung und Betriebsstätte, bringt steuerlich nichts und kann Ärger machen.
  • Immobilien separat rechnen: Die Grunderwerbsteuer hängt am Grundstück, nicht am Firmensitz. Beim Kauf von Betriebsgrundstücken lohnt die Rechnung mit dem Landessatz.
  • Förderung früh prüfen: Förderbank und KfW vergeben Kredite vor dem Start, nicht danach. Sprich die Förderbank an, bevor Du Verträge unterschreibst.
  • Steuerlich sauber starten: Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, Kleinunternehmerregelung und Buchhaltung gehören an den Anfang. Wir helfen bei der Existenzgründungsberatung.

Wenn Du konkrete Städte vergleichen willst, findest Du unten alle unsere Standortseiten mit Hebesatz, GmbH-Belastung, Finanzgericht und Förderbank.

Unsere Standortseiten nach Bundesland

Jede Seite enthält eigene Zahlen und Quellen sowie Hinweise zu IHK, Gründung und Nachbarstädten.

Baden-Württemberg: Freiburg, Heidelberg, Heilbronn, Karlsruhe, Mannheim, Stuttgart, Tübingen, Ulm

Bayern: Aschaffenburg, Augsburg, Erlangen, Ingolstadt, München, Nürnberg, Regensburg, Würzburg

Berlin: Berlin

Brandenburg: Potsdam

Hamburg: Hamburg

Hessen: Bad Hersfeld, Bad Homburg, Bad Vilbel, Darmstadt, Dreieich, Eschborn, Frankfurt am Main, Fulda, Gießen, Hanau, Kassel, Langen, Marburg, Neu-Isenburg, Offenbach am Main, Rüsselsheim am Main, Wiesbaden

Niedersachsen: Braunschweig, Göttingen, Hannover, Oldenburg, Osnabrück

Nordrhein-Westfalen: Bielefeld, Bonn, Dortmund, Düsseldorf, Essen, Gütersloh, Köln, Mönchengladbach, Münster, Paderborn

Rheinland-Pfalz: Koblenz, Mainz

Saarland: Saarbrücken

Sachsen: Chemnitz, Dresden, Leipzig

Sachsen-Anhalt: Halle (Saale), Magdeburg

Schleswig-Holstein: Kiel, Lübeck

Thüringen: Erfurt, Jena

Fragen & Antworten: Gründen und Steuern im Länder-Vergleich

Welches Bundesland hat die niedrigste Gewerbesteuer? ▼
Gemessen am Median der Gemeinden liegt Brandenburg mit rund 323 Prozent vorn, danach folgen Bayern mit 350 Prozent sowie Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt mit je 360 Prozent. Entscheidend ist aber die einzelne Gemeinde: In Großstädten liegt der Hebesatz meist deutlich darüber und er gilt nur, wenn Du dort wirklich eine Betriebsstätte unterhältst.
Lohnt sich ein Umzug in ein Bundesland mit niedrigerer Grunderwerbsteuer? ▼
Die Grunderwerbsteuer richtet sich nach dem Land, in dem die Immobilie liegt, nicht nach Deinem Wohn- oder Firmensitz. Ein Umzug ändert also nichts an der Steuer für ein Grundstück in einem anderen Land. Sie ist beim Kauf von Betriebsgrundstücken und für Immobilien-Holdings relevant.
Wie wähle ich den richtigen Standort für meine GmbH? ▼
Mit einer Rechnung statt einem Bauchgefühl: Hebesatz, tatsächliche Betriebsstätte und Geschäftsleitung, Miet- und Personalkosten, Kundennähe und Förderprogramme. Im Erstgespräch stellen wir Deine Standortoptionen gegenüber und sagen Dir offen, wenn sich ein Umzug nicht lohnt.

Allgemeine Information, ersetzt keine Beratung im Einzelfall.

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Sidney Nik, LL.M., Steuerberater
Über den Autor
Sidney Nik, LL.M.
Steuerberater, Inhaber ANDERSMACHER

Sidney Nik ist Steuerberater mit eigener Kanzlei in Offenbach am Main und Mitglied der Steuerberaterkammer Hessen. Seine Schwerpunkte sind Apotheken, E-Commerce, Mittelstand, Berater für Berater und Problemfälle. Mit docunest entwickelt er Kanzleisoftware. Jeder Beitrag wird vor Veröffentlichung von ihm fachlich geprüft und freigegeben.

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