Gründen in Deutschland: Die 16 Bundesländer im Steuervergleich
Welches Bundesland passt zu Deinem Unternehmen? Wir haben Gewerbesteuer-Hebesätze, Grunderwerbsteuer, Gründungsquote und Förderbanken aller Länder nebeneinandergelegt, mit Quellen und mit Blick darauf, was Du daraus machst.
Das Wichtigste in Kürze
- Gewerbesteuer: Der Median-Hebesatz der Gemeinden reicht von 323 Prozent in Brandenburg bis 470 Prozent in Hamburg. Bei EUR 100.000,00 Gewerbeertrag sind das vereinfacht EUR 11.305,00 bis EUR 16.450,00.
- Gesamtbelastung einer GmbH: Mit Körperschaftsteuer und Solidaritätszuschlag (15,825 Prozent) ergibt sich je nach Land eine Spanne von rund 27,1 bis 32,3 Prozent auf einbehaltene Gewinne.
- Grunderwerbsteuer: von 3,5 Prozent in Bayern bis 6,5 Prozent in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und Schleswig-Holstein.
- Gründungsquote: Berlin liegt mit 13,2 Prozent vorn, das Saarland mit 3,7 Prozent hinten (Global Entrepreneurship Monitor 2024/25).
Das Fazit vorweg: Der Standort ist ein Rechenthema, aber kein Zaubertrick. Ein niedriger Hebesatz bringt nur etwas, wenn Du am Ort wirklich unternehmerisch tätig bist und die Rechtsform entscheidet darüber, wie stark er bei Dir durchschlägt.
Gewerbesteuer: Hebesatz-Median je Bundesland
Jede Gemeinde legt ihren Hebesatz selbst fest. Die Tabelle zeigt den Median aller Gemeinden eines Landes für das Berichtsjahr 2024. Er glättet Ausreißer, ersetzt aber nicht den Blick auf die einzelne Stadt: In Großstädten liegen die Werte meist deutlich über dem Landesmedian. Stadtstaaten bestehen aus einer oder zwei Gemeinden, ihr Wert ist ein Einzelwert.
| Bundesland | Median-Hebesatz 2024 | Gewerbesteuer bei EUR 100.000,00 Ertrag | Grunderwerbsteuer | Gründungsquote (GEM) |
|---|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | 360 % | EUR 12.600,00 | 5,0 % | keine Länderzahl |
| Bayern | 350 % | EUR 12.250,00 | 3,5 % | 8,5 % |
| Berlin | 410 % | EUR 14.350,00 | 6,0 % | 13,2 % |
| Brandenburg | 323 % | EUR 11.305,00 | 6,5 % | keine Länderzahl |
| Bremen | 460 % | EUR 16.100,00 | 5,5 % | 12,1 % |
| Hamburg | 470 % | EUR 16.450,00 | 5,5 % | 11,2 % |
| Hessen | 390 % | EUR 13.650,00 | 6,0 % | 9,7 % |
| Mecklenburg-Vorpommern | 380 % | EUR 13.300,00 | 6,0 % | keine Länderzahl |
| Niedersachsen | 390 % | EUR 13.650,00 | 5,0 % | keine Länderzahl |
| Nordrhein-Westfalen | 450 % | EUR 15.750,00 | 6,5 % | keine Länderzahl |
| Rheinland-Pfalz | 380 % | EUR 13.300,00 | 5,0 % | keine Länderzahl |
| Saarland | 430 % | EUR 15.050,00 | 6,5 % | 3,7 % |
| Sachsen | 400 % | EUR 14.000,00 | 5,5 % | keine Länderzahl |
| Sachsen-Anhalt | 360 % | EUR 12.600,00 | 5,0 % | keine Länderzahl |
| Schleswig-Holstein | 360 % | EUR 12.600,00 | 6,5 % | 8,5 % |
| Thüringen | 395 % | EUR 13.825,00 | 5,0 % | keine Länderzahl |
Wie das in einzelnen Städten aussieht, zeigen unsere Standortseiten, zum Beispiel Steuerberater Eschborn (330 Prozent), Steuerberater Mainz (310 Prozent) und Steuerberater Bonn (537 Prozent).
Quellen: Hebesatz-Median: Auswertung des Realsteuervergleichs 2024 der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder durch rechner-hub.de; Gründungsquote: Global Entrepreneurship Monitor 2024/25, Länder-Sonderauswertung, wiedergegeben von verbandsbuero.de. Gewerbesteuer: eigene Berechnung (Messzahl 3,5 Prozent mal Hebesatz), vereinfacht. Stand: 03.10.2026, ohne Gewähr.
Warum der Hebesatz nicht allein entscheidet
Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften wird die Gewerbesteuer nach § 35 EStG pauschal auf die Einkommensteuer angerechnet und zwar mit dem Vierfachen des Messbetrags. Bis zu einem Hebesatz von rund 400 Prozent gleicht das die Belastung weitgehend aus. Erst darüber bleibt eine echte Mehrbelastung. Eine GmbH hat diese Anrechnung nicht, bei ihr zählt jeder Punkt voll.
Rechenbeispiel für eine GmbH mit EUR 100.000,00 Gewinn: Körperschaftsteuer und Solidaritätszuschlag betragen 15,825 Prozent. In Brandenburg kommen mit einem Median-Hebesatz von 323 Prozent 11,3 Prozent Gewerbesteuer hinzu, zusammen rund 27,1 Prozent. In Hamburg sind es bei 470 Prozent 16,5 Prozent, zusammen rund 32,3 Prozent. Ab 2028 sinkt die Körperschaftsteuer in Schritten von einem Punkt bis auf 10 Prozent im Jahr 2032 (Bundesfinanzministerium), der Hebesatz bleibt dann der größere Standortfaktor.
Wichtig: Die Gewerbesteuer entsteht dort, wo Du eine Betriebsstätte unterhältst (§ 4 GewStG, § 12 AO), bei einer GmbH auch dort, wo die Geschäftsleitung tatsächlich sitzt. Ein Briefkasten genügt nicht. Wie wir einen Standortwechsel ehrlich durchrechnen, steht auf den Seiten Eschborn und Neu-Isenburg.
Grunderwerbsteuer: von 3,5 bis 6,5 Prozent
Sie fällt beim Kauf von Grundstücken an, auch bei Betriebsgrundstücken und Immobilien in Holdingstrukturen. Maßgeblich ist das Land, in dem die Immobilie liegt, nicht Dein Firmensitz. Die Tabelle zeigt die Sätze, sortiert vom niedrigsten zum höchsten, mit den Steuerbeträgen bei EUR 500.000,00 und EUR 1.000.000,00 Kaufpreis.
| Bundesland | Steuersatz | Bei EUR 500.000,00 | Bei EUR 1.000.000,00 |
|---|---|---|---|
| Bayern | 3,5 % | EUR 17.500,00 | EUR 35.000,00 |
| Baden-Württemberg | 5,0 % | EUR 25.000,00 | EUR 50.000,00 |
| Niedersachsen | 5,0 % | EUR 25.000,00 | EUR 50.000,00 |
| Rheinland-Pfalz | 5,0 % | EUR 25.000,00 | EUR 50.000,00 |
| Sachsen-Anhalt | 5,0 % | EUR 25.000,00 | EUR 50.000,00 |
| Thüringen | 5,0 % | EUR 25.000,00 | EUR 50.000,00 |
| Bremen | 5,5 % | EUR 27.500,00 | EUR 55.000,00 |
| Hamburg | 5,5 % | EUR 27.500,00 | EUR 55.000,00 |
| Sachsen | 5,5 % | EUR 27.500,00 | EUR 55.000,00 |
| Berlin | 6,0 % | EUR 30.000,00 | EUR 60.000,00 |
| Hessen | 6,0 % | EUR 30.000,00 | EUR 60.000,00 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 6,0 % | EUR 30.000,00 | EUR 60.000,00 |
| Brandenburg | 6,5 % | EUR 32.500,00 | EUR 65.000,00 |
| Nordrhein-Westfalen | 6,5 % | EUR 32.500,00 | EUR 65.000,00 |
| Saarland | 6,5 % | EUR 32.500,00 | EUR 65.000,00 |
| Schleswig-Holstein | 6,5 % | EUR 32.500,00 | EUR 65.000,00 |
Hinweis: Bremen hat den Satz im Juli 2025 auf 5,5 Prozent angehoben, einzelne Übersichten nennen noch 5,0 Prozent. Mecklenburg-Vorpommern führen die meisten Quellen mit 6,0 Prozent. Prüfe vor einem Kauf den Satz beim Finanzamt.
Quelle: Übersicht der Länder-Steuersätze, Stand 2026 (u. a. Bundesfinanzministerium), eigene Berechnung der Steuerbeträge.
Gründungsdynamik: Wo am meisten gegründet wird
In Berlin und Hamburg wurden 2025 mit mehr als 100 Existenzgründungen je 10.000 Menschen im erwerbsfähigen Alter die meisten Unternehmen gegründet. Dahinter folgten Hessen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein (IfM Bonn). Der Global Entrepreneurship Monitor nennt für Berlin 13,2 Prozent Gründungsquote, für Bremen 12,1 Prozent und für Hamburg 11,2 Prozent. Unter den Flächenländern liegt Hessen mit 9,7 Prozent vorn, vor Bayern und Schleswig-Holstein mit je 8,5 Prozent. Ostdeutsche Länder kommen im Schnitt auf 5,6 Prozent, Westdeutschland auf 7,8 Prozent.
Ein Beispiel auf Landesebene: In Hessen standen 2024 rund 60.758 Gewerbeanmeldungen 55.986 Abmeldungen gegenüber, das Land wuchs also um knapp 4.800 Unternehmen. Berlin gilt als Gründerhauptstadt, was sich auch in steuerlichen Fragen niederschlägt, etwa bei Mitarbeiterbeteiligungen und Umsatzsteuer auf digitale Leistungen. Mehr dazu unter Steuerberater Berlin.
Quellen: IfM Bonn, Existenzgründungen insgesamt 2025; Global Entrepreneurship Monitor 2024/25 (Länder-Sonderauswertung, wiedergegeben von verbandsbuero.de); Hessischer Industrie- und Handelskammertag, Gründungsbarometer Hessen 2025. Die Länderzahlen sind nicht für alle Länder veröffentlicht.
Förderbanken und Finanzgerichte der Länder
Für Gründungsfinanzierung ist in jedem Land eine Förderbank der erste Ansprechpartner, ergänzt um die bundesweit tätige KfW. Wenn es mit dem Finanzamt zu Streit kommt, entscheidet das jeweils zuständige Finanzgericht.
| Bundesland | Landesförderbank | Finanzgericht |
|---|---|---|
| Baden-Württemberg | L-Bank (Staatsbank für Baden-Württemberg) | Finanzgericht Baden-Württemberg (Stuttgart, Außensenate Freiburg) |
| Bayern | LfA Förderbank Bayern | Finanzgerichte München und Nürnberg |
| Berlin | Investitionsbank Berlin (IBB) | Finanzgericht Berlin-Brandenburg (Cottbus) |
| Brandenburg | Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) | Finanzgericht Berlin-Brandenburg (Cottbus) |
| Bremen | Bremer Aufbau-Bank (BAB) | Finanzgericht Bremen |
| Hamburg | IFB Hamburg (Hamburgische Investitions- und Förderbank) | Finanzgericht Hamburg |
| Hessen | WIBank (Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen) | Hessisches Finanzgericht (Kassel) |
| Mecklenburg-Vorpommern | Landesförderinstitut Mecklenburg-Vorpommern (LFI) | Finanzgericht Mecklenburg-Vorpommern (Greifswald) |
| Niedersachsen | NBank (Investitions- und Förderbank Niedersachsen) | Niedersächsisches Finanzgericht (Hannover) |
| Nordrhein-Westfalen | NRW.BANK | Finanzgerichte Düsseldorf, Köln und Münster |
| Rheinland-Pfalz | Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) | Finanzgericht Rheinland-Pfalz (Neustadt an der Weinstraße) |
| Saarland | Saarländische Investitionskreditbank (SIKB) | Saarländisches Finanzgericht (Saarlouis) |
| Sachsen | Sächsische Aufbaubank (SAB) | Sächsisches Finanzgericht (Leipzig) |
| Sachsen-Anhalt | Investitionsbank Sachsen-Anhalt | Finanzgericht Sachsen-Anhalt (Dessau-Roßlau) |
| Schleswig-Holstein | Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) | Schleswig-Holsteinisches Finanzgericht (Kiel) |
| Thüringen | Thüringer Aufbaubank (TAB) | Thüringer Finanzgericht (Gera) |
Quellen: Websites der Förderbanken (verlinkt), Gerichtsverzeichnisse der Länder. Stand: 03.10.2026, ohne Gewähr.
Was die Zahlen für Deine Gründung bedeuten
- Erst die Rechtsform, dann der Standort: Bei einer GmbH wirkt der Hebesatz voll, bei Personenunternehmen bis etwa 400 Prozent kaum. Wer als Einzelunternehmer startet, sollte nicht wegen des Hebesatzes umziehen. Mehr unter Steuergestaltung und Rechtsformwahl.
- Standort heißt: wirklich dort arbeiten: Ein Sitz allein, ohne Geschäftsleitung und Betriebsstätte, bringt steuerlich nichts und kann Ärger machen.
- Immobilien separat rechnen: Die Grunderwerbsteuer hängt am Grundstück, nicht am Firmensitz. Beim Kauf von Betriebsgrundstücken lohnt die Rechnung mit dem Landessatz.
- Förderung früh prüfen: Förderbank und KfW vergeben Kredite vor dem Start, nicht danach. Sprich die Förderbank an, bevor Du Verträge unterschreibst.
- Steuerlich sauber starten: Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, Kleinunternehmerregelung und Buchhaltung gehören an den Anfang. Wir helfen bei der Existenzgründungsberatung.
Wenn Du konkrete Städte vergleichen willst, findest Du unten alle unsere Standortseiten mit Hebesatz, GmbH-Belastung, Finanzgericht und Förderbank.
Unsere Standortseiten nach Bundesland
Jede Seite enthält eigene Zahlen und Quellen sowie Hinweise zu IHK, Gründung und Nachbarstädten.
Baden-Württemberg: Freiburg, Heidelberg, Heilbronn, Karlsruhe, Mannheim, Stuttgart, Tübingen, Ulm
Bayern: Aschaffenburg, Augsburg, Erlangen, Ingolstadt, München, Nürnberg, Regensburg, Würzburg
Berlin: Berlin
Brandenburg: Potsdam
Hamburg: Hamburg
Hessen: Bad Hersfeld, Bad Homburg, Bad Vilbel, Darmstadt, Dreieich, Eschborn, Frankfurt am Main, Fulda, Gießen, Hanau, Kassel, Langen, Marburg, Neu-Isenburg, Offenbach am Main, Rüsselsheim am Main, Wiesbaden
Niedersachsen: Braunschweig, Göttingen, Hannover, Oldenburg, Osnabrück
Nordrhein-Westfalen: Bielefeld, Bonn, Dortmund, Düsseldorf, Essen, Gütersloh, Köln, Mönchengladbach, Münster, Paderborn
Rheinland-Pfalz: Koblenz, Mainz
Saarland: Saarbrücken
Sachsen: Chemnitz, Dresden, Leipzig
Sachsen-Anhalt: Halle (Saale), Magdeburg
Welches Bundesland hat die niedrigste Gewerbesteuer?
Lohnt sich ein Umzug in ein Bundesland mit niedrigerer Grunderwerbsteuer?
Wie wähle ich den richtigen Standort für meine GmbH?
Allgemeine Information, ersetzt keine Beratung im Einzelfall.